CRM-Auswahl: So finden Sie das richtige System für Ihr Unternehmen

Digitalisierungsstrategie für die Zukunft in Deutschland, Innovation und Fortschritt.
Lutz Eckelmann, Gründer Plan Digital Now
10 Min. Lesezeit

Die Entscheidung für ein CRM-System ist eine der wichtigsten technologischen Weichenstellungen für Ihr Unternehmen. Das richtige System kann Ihren Vertrieb beschleunigen, Kundenbeziehungen stärken und Ihr Wachstum unterstützen. Das falsche System wird zur teuren Datenfriedhof, den niemand nutzt.

Das Problem: Der CRM-Markt ist unübersichtlich. Hunderte Anbieter, alle mit ähnlichen Versprechen. Feature-Listen, die sich nur im Detail unterscheiden. Und Verkäufer, die vor allem ihr eigenes Produkt empfehlen.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen einen systematischen Ansatz für die CRM-Auswahl. Keine Produktempfehlungen, sondern ein Prozess, der zu Ihrer individuellen Situation passt. Denn das beste CRM ist nicht das mit den meisten Features – sondern das, das Ihr Team tatsächlich nutzt.

Warum die CRM-Auswahl so oft schiefgeht

Bevor wir über Kriterien sprechen, lohnt ein Blick auf die häufigsten Fehler bei der CRM-Auswahl. Denn viele Unternehmen stolpern über dieselben Hürden:

Feature-Fixierung statt Prozess-Fokus

Der Vertriebsleiter will Reporting, Marketing braucht Automation, die IT fragt nach API-Schnittstellen. Am Ende steht eine Feature-Liste mit 50 Punkten – aber niemand hat definiert, welche Vertriebsprozesse das CRM eigentlich unterstützen soll.

Auswahl ohne Anwender-Beteiligung

Das Management entscheidet, der Vertrieb muss es nutzen. Das Ergebnis: Ein System, das theoretisch alles kann, aber an der Arbeitsrealität der Nutzer vorbeigeht. Adoption scheitert, Datenqualität leidet, der ROI bleibt aus.

Preis als einziges Kriterium

Ja, Budget ist wichtig. Aber der günstigste Anbieter kann der teuerste sein – wenn Implementierung scheitert, Schulungen nicht reichen oder das System nach zwei Jahren gewechselt werden muss.

Zu viel System für den Anfang

Enterprise-Lösungen für 20 Mitarbeiter, KI-Features die niemand braucht, Komplexität die überfordert. Manchmal ist weniger mehr – vor allem am Anfang.

Der richtige Prozess für Ihre CRM-Auswahl

Eine fundierte CRM-Auswahl folgt einem strukturierten Prozess. Nicht weil Struktur Selbstzweck ist, sondern weil sie hilft, nichts zu übersehen und alle Beteiligten einzubinden.

Phase 1: Anforderungen definieren (nicht Features sammeln)

Starten Sie nicht mit einer Feature-Liste, sondern mit Ihren Vertriebsprozessen. Fragen Sie sich:

  • Wie läuft unser Vertriebsprozess heute ab? Von der Leadgenerierung bis zum Abschluss.
  • Wo sind die größten Reibungsverluste? Was dauert zu lange, was geht verloren?
  • Welche Informationen brauchen Vertriebsmitarbeiter im Kundengespräch?
  • Welche Systeme sind bereits im Einsatz? ERP, E-Mail, Kalender, Marketing-Tools?
  • Wer soll das CRM nutzen? Nur Vertrieb oder auch Marketing, Service, Management?

Die Antworten auf diese Fragen sind wichtiger als jede Feature-Checkliste.

Phase 2: Stakeholder einbinden

Ein CRM betrifft viele Abteilungen. Holen Sie diese früh ins Boot:

  • Vertrieb: Die Hauptnutzer. Ohne deren Buy-in scheitert jedes CRM.
  • Marketing: Für Lead-Management und Kampagnen-Integration.
  • IT: Für Integrationen, Datenschutz, Sicherheit.
  • Management: Für Reporting-Anforderungen und strategische Ausrichtung.
  • Service/Support: Falls Kundenservice integriert werden soll.

Tipp: Benennen Sie einen Projektverantwortlichen, der den Prozess koordiniert und Entscheidungen herbeiführt.

Phase 3: Marktrecherche und Vorauswahl

Jetzt erst schauen Sie sich den Markt an. Aber nicht alle hundert Anbieter, sondern eine Vorauswahl basierend auf:

  • Unternehmensgröße: Manche Systeme sind für Enterprise, andere für KMU optimiert.
  • Branche: Gibt es branchenspezifische Lösungen oder Erfahrungen?
  • Budget: Anbieter mit grundlegend anderem Preismodell aussortieren.
  • Integrationen: Kann das System mit Ihren bestehenden Tools kommunizieren?

Reduzieren Sie auf 3-5 Kandidaten für die nähere Evaluation.

Phase 4: Demos und Proof of Concept

Lassen Sie sich die Systeme zeigen – aber richtig:

  • Bereiten Sie konkrete Szenarien aus Ihrem Alltag vor.
  • Lassen Sie den Anbieter Ihre Prozesse nachstellen, nicht seine Standard-Demo.
  • Nehmen Sie die zukünftigen Nutzer mit in die Demo.
  • Fragen Sie nach Referenzkunden aus Ihrer Branche.
  • Testen Sie das System selbst – die meisten bieten kostenlose Trials.

Phase 5: Entscheidung und Verhandlung

Wenn Sie Ihren Favoriten gefunden haben:

  • Dokumentieren Sie die Entscheidungsgründe für spätere Referenz.
  • Verhandeln Sie nicht nur den Preis, sondern auch Implementierungssupport und Schulungen.
  • Klären Sie Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen.
  • Fragen Sie nach Skalierungskosten: Was passiert, wenn Sie wachsen?

Die wichtigsten Auswahlkriterien im Überblick

Nicht alle Kriterien sind für jedes Unternehmen gleich wichtig. Priorisieren Sie basierend auf Ihrer Situation:

KriteriumFragenWichtig für
BenutzerfreundlichkeitWie intuitiv ist das System? Wie lange dauert das Onboarding?Alle Unternehmen, besonders mit wenig IT-Ressourcen
SkalierbarkeitWächst das System mit? Welche Kosten entstehen bei mehr Nutzern?Wachstumsunternehmen, PE/VC-finanzierte Firmen
IntegrationenWelche Schnittstellen gibt es? API verfügbar? Native Integrationen?Unternehmen mit bestehender Tool-Landschaft
Mobile NutzungGibt es eine App? Funktioniert sie offline?Außendienst, verteilte Teams
AnpassbarkeitKönnen Felder, Prozesse, Dashboards angepasst werden? Ohne Entwickler?Unternehmen mit speziellen Prozessen
ReportingWelche Auswertungen sind möglich? Echtzeitdaten? Export-Optionen?Datengetriebene Organisationen, Management
Datenschutz/DSGVOWo werden Daten gehostet? Welche Zertifizierungen? DPA möglich?Alle EU-Unternehmen, regulierte Branchen
Support & SchulungWelcher Support ist inkludiert? Sprachen? Reaktionszeiten?Unternehmen ohne eigene CRM-Expertise
Total Cost of OwnershipLizenzkosten, Implementierung, Schulung, laufende Kosten?Alle Unternehmen

Checkliste: Sind Sie bereit für die CRM-Auswahl?

Bevor Sie in den Auswahlprozess einsteigen, prüfen Sie diese Punkte:

  • Vertriebsprozesse sind dokumentiert (zumindest grob)
  • Hauptnutzer sind identifiziert und eingebunden
  • Budget ist definiert (inkl. Implementierung und Schulung)
  • Zeitrahmen für die Einführung ist realistisch geplant
  • Bestehende Systeme und Datenquellen sind inventarisiert
  • Projektverantwortlicher ist benannt
  • Management-Commitment ist vorhanden
  • Erfolgskriterien sind definiert (Was soll das CRM verbessern?)

Wenn Sie nicht alle Punkte abhaken können, investieren Sie hier zuerst Zeit. Eine gute Vorbereitung verkürzt den Auswahlprozess und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit erheblich.

Typische Stolperfallen während der Auswahl

Die Demo-Falle

Demos sind inszeniert. Der Verkäufer zeigt die besten Features im besten Licht. Bestehen Sie darauf, Ihre eigenen Szenarien durchzuspielen. Fragen Sie nach den Grenzen des Systems, nicht nur nach den Stärken.

Das Zukunfts-Argument

„Das Feature kommt im nächsten Release.“ Vielleicht. Entscheiden Sie basierend auf dem, was heute funktioniert – nicht auf Versprechen für morgen.

Die Referenz-Illusion

Referenzkunden sind handverlesen. Fragen Sie nach Kunden Ihrer Größe und Branche. Noch besser: Fragen Sie in Ihrem Netzwerk nach echten Erfahrungen.

Der Implementierungs-Blindspot

Das beste CRM nützt nichts, wenn die Einführung scheitert. Fragen Sie konkret: Wie läuft die Implementierung? Wer unterstützt? Welche Ressourcen brauchen wir intern?

Warum herstellerunabhängige Beratung sinnvoll sein kann

Die meisten CRM-Berater sind Partner eines bestimmten Anbieters. Das ist nicht per se schlecht – aber es beeinflusst die Empfehlung. Wenn jemand nur einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel.

Eine herstellerunabhängige Beratung:

  • Vergleicht Systeme objektiv basierend auf Ihren Anforderungen
  • Kennt Stärken und Schwächen verschiedener Anbieter aus der Praxis
  • Hat kein finanzielles Interesse an einem bestimmten System
  • Kann auch von einem System abraten, wenn es nicht passt

Das bedeutet nicht, dass Partner-Beratungen schlecht sind. Aber fragen Sie immer: Wessen Interesse vertritt mein Berater? Und: Werden auch Alternativen fair bewertet?

Fazit: Die richtige Entscheidung braucht den richtigen Prozess

Die CRM-Auswahl ist keine Entscheidung, die Sie übers Knie brechen sollten. Nehmen Sie sich Zeit für eine strukturierte Evaluation. Binden Sie die richtigen Leute ein. Und denken Sie daran: Das beste CRM ist nicht das mit den meisten Features – sondern das, das Ihr Team tatsächlich nutzt.

Die wichtigsten Takeaways:

  1. Prozesse vor Features: Verstehen Sie erst Ihre Anforderungen, dann schauen Sie auf den Markt.
  2. Nutzer einbinden: Ohne Buy-in der Anwender scheitert jedes CRM.
  3. Realistisch planen: Budget, Zeit und interne Ressourcen ehrlich einschätzen.
  4. Demos kritisch hinterfragen: Spielen Sie Ihre Szenarien durch, nicht die des Anbieters.
  5. Implementierung mitdenken: Die Auswahl ist nur der erste Schritt.

Häufig gestellte Fragen zur CRM-Auswahl

Wie lange dauert ein typischer CRM-Auswahlprozess?

Für mittelständische Unternehmen typischerweise 4-8 Wochen von der Anforderungsdefinition bis zur Entscheidung. Komplexere Situationen mit vielen Stakeholdern oder speziellen Anforderungen können länger dauern.

Sollten wir mehrere CRMs parallel testen?

Ja, aber begrenzen Sie auf 2-3 Finalisten. Parallele Tests mit denselben Szenarien ermöglichen einen direkten Vergleich. Mehr als drei Systeme parallel zu evaluieren wird unübersichtlich.

Brauchen wir externe Unterstützung bei der Auswahl?

Nicht zwingend, aber hilfreich. Externe Berater bringen Markterfahrung, Vergleichswerte und einen neutralen Blick. Besonders bei der ersten CRM-Einführung oder wenn intern wenig CRM-Expertise vorhanden ist.

Was kostet eine CRM-Implementierung insgesamt?

Die Lizenzkosten sind nur ein Teil. Rechnen Sie mit Implementierung (Einrichtung, Datenmigration, Anpassungen), Schulung und internem Zeitaufwand. Für KMU typischerweise das 1,5-3fache der jährlichen Lizenzkosten als Erstinvestition.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein neues CRM?

Typische Auslöser: Das aktuelle System bremst das Wachstum, wichtige Integrationen fehlen, die Datenqualität leidet, oder Sie haben gar kein CRM. Vermeiden Sie die Einführung in extrem stressigen Phasen – ein CRM-Projekt braucht Aufmerksamkeit.

Sollten wir mit allen Features starten oder schrittweise einführen?

Schrittweise ist fast immer besser. Starten Sie mit den Kernfunktionen, die den größten Nutzen bringen. Wenn diese etabliert sind, erweitern Sie. Das erhöht die Adoption und vermeidet Überforderung.

Digitalisierungsstrategie für die Zukunft in Deutschland, Innovation und Fortschritt.
Geschrieben von

Lutz Eckelmann, Gründer Plan Digital Now

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